Equipment
Die vollständige Liste nebst Erklärungen ist hier [link] zu finden.
Gemäß unserer Philosophie, eine möglichst hochwertige Aufnahmekette von Mikro bis in den Rechner zuhaben,
entschieden wir uns aus Kostengründen, wenige hochwertige Kanäle und mehrere preisgünstigere Preamps
zu benutzen, anstatt durchgängig auf Mittelklasse zu setzen.
Billigen Amateur-Schrott gibt's deswegen ebenso wenig, wie unverhältnismäßiges - vor allem
unverhältnismäßig teures - High-End-Equipment. Aus diesem Grund verzichten wir auch auf ein analoges
Mischpult. Analoge Mischpulte welche gleichwertig oder gar besser als der Rechner sind, sind
leider für uns unbezahlbar. Mittelklassekonsolen, wie sie vor 15 Jahren noch in Studios aktuell waren,
können klanglich und ergonomisch nicht mehr mit der digitalen Technik mithalten. Auch wenn von Analog-Freaks
anderes behauptet wird. Aber es gibt auch Leute die ernsthaft behaupten, Macs klingen besser als PCs.
(kein Witz, das wurde mir tatsächlich so im vollen Ernst gesagt … )
Alle unsere Geräte haben sich in vielen Produktionen im alten Studio bewährt.
Bei Mikrofonen greifen wir auf bewährte Standards wie (shure, AKG, Audix usw.) zurück.
Aufnahmeraum
Die Akustik des Aufnahmeraums ist insbesondere für akustische Instrumente extrem wichtig. Um flexibel zu sein
und einem weiten Anwendungsbereich der Rockmusik gerecht zu werden, haben wir uns für einen neutralen Raum mit
einer Nachhallzeit von 0.5s entschieden. Der Raum ist damit lebendig genug für Schlagzeugaufnahmen, aber
trocken genug für Gesang, Bass, Gitarren.
Um Flatterechos zu vermeiden und Raumresonanzen zu verringern enthält der Raum keine parallelen Wände. Selbst
die Decke ist angewinkelt.
Die Nachhallzeit wurde mittels Breitband- und Bassabsorbern im gesamten Frequenzbereich auf ca. 0.5s gelegt.
Der genaue Wert ist nicht so wichtig, wichtig die Konstanz über das gesamte Spektrum. Auf Noppenschaum und
andere ungeeignete akustische Maßnahmen welche den Raum nur dumpf machen und Dröhnfrequenzen im unteren
Mitten- und Bassbereich nicht dämmen, wurde komplett verzichtet. Überhaupt wurde kein Absorber einfach so
auf Verdacht oder nach Gefühl angebracht.
Vor dem Bau wurden umfangreiche Berechnungen angestellt und beim Bau der Absorber wurde immer wieder die
Nachhallzeit gemessen, um den Erfolg der jeweiligen raumakustischen Maßnahme direkt zu kontrollieren und
gegebenenfalls zu korrigieren.
Interessant war, dass Theorie und Praxis sehr gut übereinstimmen.
Die Akustik des Aufnahmeraums ist für seine Größe von rund 35 m² und für ein kleines Projektstudio Spitzenklasse.
Da sich das Studio im Ort befindet ist die Schalldämmung nach außen so dimensioniert, dass der herauskommende Lärm
weniger als 45dB(A) ist. Damit ist auch Schlagzeugaufnahme zu nächtlicher Zeit möglich.
Regieraum
Während ein Aufnahmeraum für die jeweilige Musikrichtung und Instrument "nur" "gut klingen" muss,
werden an einem Regieraum wesentlich härtere Anforderungen gestellt. Mittels des Monitorsystems im
Regieraum soll das Tonmaterial neutral und ohne störende Artefakte beurteilt werden können. Das betrifft
zum einen das Abhören der Einzelsignale beim Aufnehmen als auch die Beurteilung beim Mischen und Mastern,
damit es auf allen Anlagen professionell und gut klingt.
Abhörraum und Monitore bilden ein Gesamtsystem. Und es ist fast erschreckend wie sehr der Frequenzgang von
eigentlich fast linearen Monitorboxen (diese werden im schalltoten Raum gemessen!) im Raum, vorallem durch die
Reflexionen welche sich mit dem Direktsignal überlagern,
deformiert wird. Einbrüche von 30dB sind hier der Normalfall. Es reicht daher eben nicht aus, gute Monitore
einfach in den Raum zu stellen! Man wird so auch mit den besten Monitoren keinen linearen Frequenzgang hinbekommen.
Um diesen Raumeinfluss zu minimieren setzen viele Studios auf sogenannte Nearfield-Monitore, also kleine
Boxen die vergleichsweise nah am Hörer stehen, und vernachlässigen die Raumakustik. Das kann aber nur eine
provisorische und unprofessionelle Lösung sein.
Am Hörplatz muss die Wiedergabe verzerrungsfrei bei jedem gewünschten Lautstärkepegel sein. Der Stereoeindruck
darf nicht durch Schallreflexionen verwaschen sein. Der Frequenzgang sollte über den gesamten Frequenzbereich
+-10dB betragen. Entscheidend ist auch die Halligkeit des Raumes. Diese darf nicht den Halleindruck des
abgehörten Materials verändern und für saubere Bässe muss die Nachhallzeit auch im Bassbereich sehr kurz sein.
Allerdings darf der Raum auch nicht zu trocken sein. Das wäre erstens unangenehm und zweitens auch nicht realistisch.
Denn niemand hört Musik im schalltoten Raum.
Als Hauptmonitorsystem besitzen wir JBL LSR32 3-Wegebassreflexmonitore welche von einer lüfterlosen 2x600W
Endstufe angetrieben werden.
Um die störenden Effekte zu minimieren welche sich aus den Reflexionen an der
Vorderwand ergeben und damit zu Auslöschungen im Bass und Tiefmittenbereich führen (Lautsprecher strahlen
im Bassbereich kugelförmig, also auch nach hinten ab!) wurden die Monitore bündig in die Vorderwand eingebaut
("flush mounted"). Damit werden auch Beugungserscheinungen am den Boxengehäusen vermieden.
Der Klangunterschied ist tatsächlich verblüffend! Die gesamte massive Vorderwand wirkt nun als vergrößerte
Lautsprecherfläche der Monitore. Damit ergibt sich als Nebeneffekt, weil die Bässe nur noch Halbkugelförmig
abgestrahlt werden, eine leichte Bassanhebung, die aber eher gewünscht ist und deshalb nicht kompensiert wird.
Da Schallreflexionen ("early reflections") an den Wänden und der Decke sowohl den Stereoeindruck vermatschen
als auch den Frequenzgang durch Interferenz mit den Originalsignal verschlechtern, wurde im Bereich der
Abhörposition ein Bereich geschaffen in der nahezu jede Reflexion vermieden wird ("RFZ - reflection free zone").
Erreicht wurde das durch Anwinkeln der Vorderwand und Teilen der Decke welche den Schall entsprechend umlenken.
(für die Berechnungen dafür wurde ein kleines Raytracing -Programm geschrieben)
Ergänzt wurde das durch zusätzliche Breitbandabsorber an den Seiten an den "first reflection points" deren
exakte Postion durch Spiegel ermittel wurden.
Die Rückwand ist komplett absorbierend gestaltet, da sie in dem kleinen Raum leider zu nah ist, um
Diffusoren einzusetzen. Auch diffuser Hall soll nicht früher als ca. 15 ms wieder am Hörer eintreffen
("inital time gap"). Ausserdem entspricht das LEDE-Prinzip ("live end - dead end")
nicht mehr unbedingt den aktuellen Stand. Dort wo es möglich war wurde die Rückwand mit bis zu 60 cm dicken
Bassabsorbern ausgestatt. Ansonsten mit dünneren Breitbandabsorder die aber bis 200 Hz runter noch
ausreichend absorbieren sollten.
Die Erfahrungen beim Bau des Aufnahmeraums wurden genutzt, um die Nachhallzeit im Regieraum auf 0.2 ms
über den gesamten Frequenzbereich mit den entsprechenden Toleranzen im Höhen und Bassbereich konstant
zu halten. Der Frequenzganz liegt durchgängig im Bereich +-10dB. Während die Absorber und Bassfallen
gebaut wurden, wurde auch hier immer wieder gemessen und entsprechend korrigiert und ergänzt.
Man kann ohne Übertreibungen sagen, dass die Regieraumakustik mit dem größerer Studios mithalten
kann (und womöglich besser ist) und wohl so ziemlich das Optimum darstellt, was mit einem
vergleichsweise kleinen Raum von rund 15 m² mit realistischem Aufwand möglich ist.
Bild 1: Nachhallzeit des Regieraums durch akustische Maßnahmen (bis auf 150 Hz sehr gleichmäßig bei ca. 0.19 s und innerhalb der Empfehlungen für diese Raumgröße)
Bild 2: wasserfalldiagramm des leeren Regieraums
Bild 3: wasserfalldiagramm des fertigen Regieraums - man sieht im Vergleich mit Bild 2, wie vorallem der Nachhall im Bassbereich wirkungsvoll bedämpft wurde
Bild 4: Frequenzgang der Abhöre im leeren Raum und im fertigen - durch akustische Maßnahmen wurde der Frequenzgang deutlich geglättet
Um mal ein Vorstellung davon zu bekommen, wie gut die akustischen Maßnahmen tatsächlich sind, hier mal als Vergleich
die Nachhallzeiten (RT60) in typischen Räumen wo Musik gehört wird. Einmal das Arbeitszimmer (mit Auralex Wedges
an der Rückwand) und das Wohnzimmer. Auffällig ist die Unregelmässigkeit und vorallem die vergleichsweise
lange Nachhallzeit im Bassbereich. Bei Wohnzimmer sieht man sehr gut die Bedämpfung der hohen Frequenzen über 4 kHz
durch Gardinen und Vorhänge. Und auch beim Arbeitszimmer kann man den Einfluss des Akustikschaums welcher lediglich
Reflexionen von der Rückwand dämpfen soll im Abfall über 2 kHz erahnen.
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